Vortrag
Murales und Poster zwischen Kooptierung und partizipativer Ausdrucksform

Vergleich lateinamerikanischer Kommunikationsmittel entlang der Straße

Medien entlang der Straße scheinen kaum einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, da PassantInnen oft daran vorbeieilen. Jedoch fungieren sie als Teil der Alltagskultur auch als Spiegelbilder der gesellschaftlichen, polit-ökonomischen und sozialen Situation ihrer Herkunftsorte und können sogar Zeitzeugen spezifischer historischer Konstellationen und Ereignisse darstellen.

Partizipation in kommunikativen Prozessen bedeutet hier das Sichtbarmachen und Sichtbar-werden-Lassen von politisch gegnerischen oder regierungskritischen Meinungen, sowie einen Raum für politische Opposition zu schaffen. Das vorliegende Projekt beschäftigt sich mit verschiedenen geographischen Regionen (Kuba, Chile und Mexiko), denen die Ausdrucksform der Kommunikation durch Bilder und Text im öffentlichen Raum gemein ist, seien dies Poster oder Wandmalereien. Für die historische Verbreitung dieser Ausdrucksform wird oft auch die mexikanische Revolution genannt, wo Murales als Ausdrucksmittel der RevolutionärInnen und RegimegegnerInnen verwendet wurden, danach übernahm die Regierung diese Kunstform und kooptierte sie zu ihren Zwecken. Seit der Machtergreifung der Kommunistischen Partei in Kuba bedient sich die kubanische Regierung ebenfalls der Ausdrucksform der Murales und Posterkunst. Es partizipieren dabei verschiedene soziale Gruppen an der Herstellung von Öffentlichkeit, im Fallbeispiel Chiles waren es Vereinigungen des Widerstands gegen die Diktatur unter Pinochet, die mittels Murales die Forderung nach einer anderen Politik und dem Ende der Unterdrückung Ausdruck verliehen.

Die Forschungsfrage beschäftigt sich damit, inwiefern sich Handlungsmacht und politisches Partizipationspotential in Postern und Murales auf der Straße widerspiegeln. Methodisch handelt es sich um einen Vergleich von Bildmaterial. Die theoretische Rahmung beinhaltet diskursanalytische Theorieausschnitte, Theorien zu Sozialen Bewegungen sowie Ansätze der Cultural Studies nach Stuart Hall zur Entstehung von Bedeutung in visueller Kultur.


Workshop
Ausschnitt des aktuellen Flüchtlingsdiskurses in der Europäischen Union anhand der Untersuchung politischer Straβenplakate in Ungarn und Österreich

Dieser Beitrag handelt von politischen Plakaten zur ungarischen Flüchtlingspolitik in Ungarn und Österreich, deren inhaltliche wie kontextuale Eigenarten als Kommunikationsform ebenso wie ihre diskursive Reichweite Untersuchungsgegenstand sind. Sie entstehen in einem oppositionellen Umfeld, das über private Spenden finanziert wird und einen Anti-Regierungskurs führt, da sie als Antwort auf die migrationsfeindlichen Plakate der Orban-Regierung fungieren. Die Besonderheit der Ressourcengewinnung über crowdfounding hat ebenso groβen Einfluss auf die Produktion und Verbreitung von Wissen und darin zugrundeliegende Macht wie der zu untersuchende Inhalt.
Die Forschungsfrage beschäftigt sich damit, inwiefern sich Handlungsmacht durch Selbstorganisation der Zivilgesellschaft beziehungsweise zivilen Ungehorsam in den politischen Straβenplakaten im europäischen Kontext widerspiegeln. Inwiefern kann durch den Prozess des Plakatierens und den Inhalt der Plakate von der Verbreitung eines gegenhegemonialen Diskurses gesprochen werden?
Zur theoretischen Rahmung zählen die Hinterfragung des möglichen Wissens im Diskurs und des Zugangs zu Macht sowie zivilgesellschaftlicher Handlungsmacht. Um implizite Bedeutungsebenen sichtbar zu machen, können auch Cultural Studies-Ansätze zur Produktion von Bedeutung und Repräsentation wie jene von Stuart Hall oder Roland Barthes zum Einsatz kommen. Besonderes Augenmerk wird auf die historische Verortung und die eingehende Untersuchung des Kontexts gelegt. Methodisch handelt es sich um einen Vergleich von Bildmaterial, welches teilweise von der Autorin selbst aufgenommen wurde und teilweise im Internet zu finden ist, wobei die oben genannten Theorien zur Erarbeitung der Bildinhalte dienen. Die Methodik des Projekts ist noch nicht vollständig ausgearbeitet und verlangt noch vertiefende Bearbeitung.


Carmen Séra

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Carmen Séra schloss 2014 das Masterstudium der Internationale Entwicklung an der Universität Wien ab und studiert zur Zeit Politikwissenschaft im Masterstudium. Durch verschiedene Stipendien konnte sie Auslandssemester in Frankreich und Mexiko absolvieren. Während des Studiums war sie mehrmals als Tutorin tätig. 2015 hielt sie einen Vortrag an der Universität Kassel sowie an der Freien Universität Berlin. Zur Zeit studiert sie durch ein Erasmus+ Stipendium in Belgien.

Zu ihren Forschungsinteressen zählen die Möglichkeiten zur Teilnahme an Politik und politischen Prozessen für Zivilgesellschaft(en), das Vorhandensein von Hegemonie und/oder asymmetrischen Verhältnissen, die Analyse von Handlungsmacht und gegenhegemoniellen Strömungen, die Möglichkeiten für innovative Teilnahme in restriktiven Systemen, die Funktionen informeller Systeme, ein geschichtliches Verständnis von Abhängigkeitsverhältnissen, Nord-Süd Verhältnisse, Visuelle Politik und politische Kommunikationsmittel.