Geliebter Waffenbruder Konstruktionen und Dekonstruktionen der Bilder über das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs in den satirisch-humoristischen Zeitschriften Die Bombe und Die Muskete

Die Türkenbelagerungen des Osmanischen Reiches (OR) von 1529 und 1683 können als Schlüsselmomente in der österreichischen Geschichte gelten. Auf Basis einer realen Bedrohung und der Propaganda der westlichen Reiche wird das Bild des osmanischen Erbfeindes konstruiert. Auch wenn sich ab Mitte des 17. Jahrhunderts in den europäischen Oberschichten eine Faszination am exotischen Orient ausbreitet, bleit in einer volkstümlichen Kultur das alte Bild des Feindes tief verankert. So kommt es im Zuge des Bündnisschlusses zwischen den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn mit dem OR zu folgender, ambivalenten Situation: das OR wird über Nacht vom Erbfeind zum Erbfreund und Waffenbruder.
Mittels Diskursanalyse nach Siegfried Jäger (2001) wurde untersucht, wie diese Neubewertung des OR in der österreichischen satirisch-humoristischen Presse, am Beispiel von Die Bombe und Die Muskete, im Ersten Weltkrieg vonstattengeht. Zentral waren dabei die Frage nach der Dekonstruktion, bzw. Konstruktion von Bildern über das OR und seine Staatsangehörigen, sowie die Frage nach dem Rückgriff auf schon bestehende Stereotype und Vorurteile.
Theoretische Einbettung findet die Arbeit in der historischen Stereotypenforschung. Dementsprechend wurde als historischer Hintergrund die Entwicklung der verschiedenen Stereotypen aufgearbeitet. Außerdem bilden die Pressezensur im Ersten Weltkrieg, wie auch der Kriegsverlauf einen wichtigen Rahmen für das Verständnis des Untersuchungsmaterials. Die Ergebnisse konnten mit dem Konzept des Orientalismus nach Edward Said (1981) verortet werden: obwohl das Kriegsbündnis zwischen Österreich-Ungarn und dem OR im Ersten Weltkrieg dazu führte, dass versucht wurde ein betont positives Bild über das OR zu zeichnen, bestanden alte Ressentiments und Vorurteile weiterhin in diesen scheinbar positiven Bildern.


Cristina-Estera Klein, Bakk.a phil.

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Cristina-Estera Klein (Bakk.a phil.) studierte Publizistik – und Kommunikationswissenschaft, Romanistik und Geschichte an der Universität Wien. Aktuell ist sie im Magisterstudium am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. In ihrer Diplomarbeit beschäftigt sie mit kollektiven Gedächtnissen in Verbindung mit Social Media. Ihr Forschungsinteresse liegt u.a. in der historischen Kommunikationsforschung und der politischen Kommunikationsforschung.