Das Zentrum für politische Schönheit zwischen Interaktivität und Interpassivität — Medienkunst aktualisierte Geschichte als Mittel des politischem Engagements

Wie können Film, Theater und Medien einen Beitrag zu Geschichtsaufarbeitung leisten? Unter welchen Prämissen und mit welcher Ideologie können Künstler zu einer kritischen Geschichtsschreibung in einer Event,- und Konsumgesellschaft beitragen? Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) ist ein markanter Protagonist der deutschen Gegenöffentlichkeit. Es verwirklicht trans,- bzw. intermediale Kunstaktionen, die Geschichte aktualisieren und gesellschaftliche und moralische Missstände vor Augen führen.  Eine gezielte Analyse beispielhafter Werkkomplexe, die Untersuchung der Medienberichterstattung und die Kontextualisierung ihres Schaffens in der Aktionskunst und den Avantgardebewegungen sollen ein vielschichtiges Porträt der Ästhetik und der Aktionen des ZPS zeichnen.

Die im Vortrag zentralen Aktionen sind Säulen der Schande und Kindertransporte des Bundes. Säulen der Schande ist eine multinationale, interaktive Spendenaktion für ein Mahnmal, das auf die umstrittene Rolle der UN im Bosnienkrieg aufmerksam machen soll und eine Mitschuld der westlichen Staaten,- und Wertegemeinschaft am Genozid  in Srebrenica behauptet. Bei der Aktion Kindertransporte des Bundes handelt es sich um eine Fälschung eines Aufrufs des Familienministeriums zur Unterbringung eines von hundert bedürftigen Flüchtlingskindern in deutschen Pflegehaushalten. Diese Fälschung weist nicht nur auf unkonventionelle und unbürokratische Handlungsoptionen der Realpolitik kritisch hin, sondern zeigt auch die Teilnahmslosigkeit der Gesellschaft für eine abstrakte humanitäre Katastrophe auf. Bürgerkrieg lässt sich nicht medial vermittelt emotional erleben, allerdings lässt sich das partielle Leid eines unschuldigen Kindes mit einem Big Brother-Online-Spin-off vermarkten. Beide Aktionen werden miteinander verglichen, um so das Spannungsfeld des dichotomischen Begriffspaares Interpassivität und Interaktivität zu beleuchten.


Karl-Leontin Beger

Email: 1348072@unet.univie.ac.at

Studium: Theater,- Film und Medientheorie

Forschungsinteresse: Avantgardebewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts, Gegenkultur, politische Kunst, Welt-Kino und  Independent-Film

Berufserfahrung: Freier Mitarbeiter beim Bonner Stadtmagazin Schnüss und dem aufstrebenden Online-Magazin Elektro Uschi