Rassismus und Nationskonstruktionen als grundlegende Bestandteile des Diskurses um Abschiebung.
Empirische Analyse von User_innen-Postings in Onlineversionen von osterreichischen Tageszeitungen

Die Diplomarbeit analysiert empirisch den österreichischen Diskurs um Abschiebung anhand von Kommentarpostings, die von Leser_innen zu Artikeln auf derStandard.at und diePresse.com, den Onlineversionen der österreichischen Tageszeitungen Der Standard und Die Presse, geschrieben wurden. Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Partizipation am Diskurs um Abschiebung in den beiden Onlineforen ausgestaltet und ist von der These geleitet, dass dem österreichischen Diskurs um Abschiebung rassistische Vorstellungen und die Annahme einer völkisch-nationalen Gemeinschaft zugrunde liegen.

Die Arbeit orientiert sich an der Kritischen Diskurs- und Dispositivanalyse nach Siegfried Jäger.
Unter Zuhilfenahme des Begriffes des institutionellen Rassismus wird die konstitutive Verbundenheit der Praxis der Abschiebung mit Nation und Rassismus aufgezeigt. Wie u.a. Margarete und Siegfried Jäger gezeigt haben, wird Rassismus staatlich institutionalisiert und so normalisiert. Der bürgerliche Nationalstaat und seine Unterscheidung in Staatsbürger_innen und Nicht-Staatsbürger_innen implizieren den Ausschluss eines rassifizierten bzw. nationalisierten „Anderen“, das als Bedrohung imaginiert wird. Die Entrechtung von Flüchtlingen und Migrant_innen wird gerade durch das Recht und seine Autorität legitimiert. Abschiebung ist ein Bestandteil des gegenwärtigen Migrationsregimes, das als eine Manifestation rassistischer, nationaler und biopolitischer Diskurse verstanden werden kann, die wiederum spezifische Diskurse hervorruft.

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass nationalstaatlicher institutioneller Rassismus durch die Bezugnahme auf nationale Interessen naturalisiert, durch Bedrohungsszenarien rationalisiert und mit Verweis auf das Recht legitimiert wird. Die an einzelnen Abschiebungen geübte Kritik bleibt innerhalb eines diskursiven Rahmens, der die Infragestellung der zugrundeliegenden gesellschaftlichen Verhältnisse nicht zulässt. Wird dementsprechende Kritik dennoch geäußert, wird sie an den äußersten Rand des Diskurses gedrängt.


Katharina Gruber

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Katharina Gruber (katharina_gruber@mail.com) studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien und spezialisierte sich u.a. auf Rassismustheorien, Gender Studies und Internationale Entwicklung. 2012 stellte sie ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Rassismus und Nationskonstruktionen als grundlegende Bestandteile des Diskurses um Abschiebung“ fertig. Gruber ist in der Politischen Bildungsarbeit, in der Sozialarbeit und im Journalismus tätig. Zurzeit arbeitet sie an ihrem Dissertationsexposé zum Thema „Subjektivierung von Jugendlichen durch Ausschluss von demokratischen Grundrechten“.