Wer partizipierte am Kommunikationsinstitut der ›Boten der Nationen‹ der mittelalterlichen Universität von Paris?

Die Erforschung von ›Partizipation‹ ist eine wichtiges Ziel der Medien- und Kommunikationswissenschaft und in dieser Disziplin auch der Kommunikationsgeschichte. Bei der Untersuchung historischer Botenorganisationen handelt es sich um eine aktuelle Forschungsfrage.

Wie sich ermitteln lässt, wer an Botendiensten mittelalterlicher Boteninstitute teilhaben durfte, sei im Folgenden an einem Beispiel gezeigt, nämlich am Kommunikationsinstitut der ›Boten der Nationen‹ der Universität von Paris. Ihr Zweck war es, Briefe, Pakete, Geld und Neuigkeiten zu übermitteln, und zwar für Scholaren und Magister, ihre Mitwohnenden (commorantes) sowie ihre Eltern. Dafür finden sich Belege in den schriftlichen Quellen, deren Suche und Auswertung unser erste Untersuchungsweg ist.

Eine zweite Methode besteht darin, die Kommunikationspartner der Scholaren zu ermitteln. Denn sie können Personen sein, die Dienste von ›Boten der Nationen‹ beanspruchten. Für eine solche Untersuchung bietet sich der Briefwechsel von Bruno und Basilius Amerbach vom Anfang des 16. Jahrhunderts an. Die Auswertung zeigt, dass beide Knaben ausschließlich an ihre Familie schrieben und fast ausschließlich von ihrer Familie Briefe empfingen, nur ausnahmsweise einmal von Freunden des Vaters oder einem ehemaligen Kommilitonen.

Die Ergebnisse der beiden Methoden kommen sich also recht nahe. Aber was sagen sie über die Frage nach der Partizipation aus? Wenn auch Familienangehörige den Dienst von ›Boten der Nationen‹ nutzten, dann heißt das, dass Personen heterogenen Berufs und Standes von den Transportdiensten Gebrauch machten. In quantitativer Hinsicht aber bedeutet die Teilhabe aller genannten Gruppen – bei einer geschätzten Zahl von 3.000 Pariser Universitätsangehörigen – eine für ein spätmittelalterliches Boteninstitut beispiellose Partizipationsdimension.


Martina Hacke

Martina.Hacke@uni-duesseldorf.de