Binge-Watching 2.0?
[Dis-]Kontinuitäten vergeschlechtlichter Partizipationsangebote posttelevisueller Selbsttechnologien

Am 5. und 6. September 2014 veranstaltete Prosieben Maxx im Zuge der Free-TV-Premiere der zweiten Staffel von House of Cards ein sogenanntes „Binge-Event“, bei dem alle 13 Folgen der von Netflix produzierten Serie an zwei konsekutiven Abenden ausgestrahlt wurden.

Ziel des gouvernementalitäts-, medien- und gendertheoretisch argumentierenden Beitrags ist es, dieses „Binge-Event“ und seine marketingstrategischen Paratexte als Teil umfassender posttelevisueller Transformationsprozesse in den Blick zu nehmen und diesbezüglich auf [Dis-]Kontinuitäten technisch vermittelter, vergeschlechtlichter Partizipations[an]gebote hin zu befragen. Das Beispiel verstehe ich dabei als Teil von Ausverhandlungsprozessen darüber, was angesichts der proklamierten Komplexität rezenter Serien und ihrer multimodalen Aneignungsmöglichkeiten in Zeiten medialer Konvergenz als angemessener Rezeptionsmodus [als „richtiges“ Schauen] serieller Narrative gilt. Die These lautet, dass die Selbsttechnologie des „Binge-Watchings“ aufgrund der technischen Möglichkeit der Entkoppelung der Inhalte von Sendeschemata und den damit einhergehenden Versprechen von Ermächtigung als Partizipations[an]gebot für das Publikum erscheint, sein Programm selbst zu gestalten.

Anhand des – durch eine [visuelle] Diskursanalyse erschlossenen – Beispiels wird somit diskutiert, wie durch die Werbung für das Event an historische Debatten um vergeschlechtlichte Möglichkeiten der Passivität und Aktivität der Fernsehrezeption – etwa durch die Verwendung von Fernbedienungen, Videorekordern etc. – angeschlossen wird. Schließlich gehe ich der Frage nach, inwiefern das Event, das an die – gegenwärtig vor allem im Zusammenhang mit dem Subscription-Video-On-Demand-Dienst Netflix thematisierte – Praktik des „Binge-Watchings“ angelehnt ist, eine televisuelle Medienspezifik zur Disposition stellt.


Stefan Sulzenbacher

Stefan Sulzenbacher promoviert an der Universität Wien im Bereich Theater-, Film- und Medienwissenschaft zu posttelevisuellen Selbsttechnologien. Seine Forschungsinteressen umfassen Diskurs- und Dispositivanalyse, [mediale] Gouvernementalität, ANT, [Post-]TV und Serialität sowie Genre- und Gender-Theorie mit Fokus auf den Bereich kritischer Männlichkeitsforschung. Seit Mai 2015 ist er DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Projektmitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft.

Kontakt: stefan.sulzenbacher@univie.ac.at