DAGONGMEI AND DATA

Das ‚Prokrastinieren‘ auf diversen sozialen Netzwerkseiten wird gerne als Arbeitsverweigerung stilisiert, ist aber eigentlich tatsächliche Arbeit. Unbezahlte und unsichtbare Arbeit, die für die betreibenden Firmen dieser Onlineplattformen einen ökonomischen Mehrwert produziert. Jedes Like, jeder Retweet, jegliche soziale Interaktion wird hier zum Moment der Auswertung.

‚Unbezahlt und unsichtbar‘ ist ein Begriffspaar, das bisher vor allem in der feministischen Theorie verwendet wurde um die Ausbeutungsmomente in täglich geleisteter Haus- und Reproduktionsarbeit zu benennen. Diese Parallele ist kein Zufall, ist doch feminisierte und prekarisierte Arbeit zentral notwendig für die gegenwärtigen, digitalisierten Produktions- und Ausbeutungsformen: Von den Dagongmei genannten jungen Wanderarbeiterinnen in chinesischen Elektronikfabriken bis zu den schlecht bezahlten Frauen in Südostasien, die jedes einzelne auf Facebook als ‚unpassend‘ gemeldete Bild kontrollieren und im Falle zensieren müssen.

Der Vortrag will versuchen, diese Linien aufzuzeigen, genauso wie die historischen Kontinuitäten dahinter und die weiteren Verstrickungen mit dem viel diskutierten Phänomen ‚Big Data‘. Durch kritische Analyse des ökonomischen Komplexes sowie der verbundenen Technologien und Kulturtechniken soll beleuchtet werden, was passiert, wenn die Partizipation an einer digitalen Öffentlichkeit zu einem Moment der Arbeit und einhergehender Ausbeutung wird.

Zwischen feministischer Medienkritik und postoperaistischem Marxismus spannt sich das theoretische Feld, auf dem eine Position zu diversen kulturellen Praktiken, medialen Aus- und Einschlussmechanismen sowie einem unsichtbar gemachten Arbeits- und Ausbeutungsverhältnis gefunden werden soll.


 

Tobi Stadler

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Tobi Stadler ist Jahrgang 1990 und beschäftigt sich mit digitalem Kapitalismus, sozialen Bildpraktiken und kritischer Männlichkeit. Er studiert Theater- Film- und Medienwissenschaft an der Uni Wien und sammelt Katzen-Gifs.