Kontakt mit Andersdenkenden im Social Web: Chance oder Gefahr für die politische Partizipation?
Ergebnisse einer Befragung österreichischer UserInnen

In der massenmedialen Debatte scheint eine anfängliche Euphorie, die dem Social Web hinsichtlich dessen Artikulations- und Partizipationsmöglichkeiten entgegengebracht wurde, zusehends Ernüchterung zu weichen, da dort der Kontakt mit Andersdenkenden als zunehmend destruktiv wahrgenommen wird. Vor diesem Hintergrund fragt diese Untersuchung, inwiefern Kontakt mit Anders- und Gleichdenkenden im Social Web entsteht und wie sich dieser auf die politische Partizipation von UserInnen auswirkt. Theoretisch lehnt sie sich dabei an Erkenntnisse aus dem Bereich der interpersonellen Kommunikation an, wo die Erforschung der Effekte von Dissens und Konsens eine breite Tradition hat.

Basierend auf Self Reported Daten von ÖsterreicherInnen aus einer Online-Befragung kommt die Studie zum Schluss, dass es im Social Web im Vergleich zu Gesprächen zwar häufiger zu oppositionellen und seltener zu bestärkenden Netzwerken kommt, sich die beiden Sphären jedoch nicht gegenseitig tangieren. Der Kontakt mit oppositionellen Meinungen im Social Web beeinflusst dabei weder die Offline- noch Online-Partizipation bzw. die Motivation dazu, vielmehr fördert die Konfrontation mit bestärkenden Meinungen die politische Partizipation im Web. Bezüglich der Wirkung auf die Partizipation bzw. die Motivation dazu ergeben sich demnach durchaus „Chancen“, jedoch kaum „Gefahren“. Dennoch verbleiben partizipationsfördernde Effekte in der Online-Sphäre, was die Potentiale des Social Webs begrenzt. Abschließend diskutiert die Untersuchung diese Erkenntnisse hinsichtlich wissenschaftlicher und praktischer Implikationen.


Andreas Riedl

Riedl_FotoAndreas Riedl erlangte sein Bakkalaureat in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit den Nebenfächern Deutsche Philologie, Soziologie und Psychologie an der Universität Wien. Aktuell studiert er im Magisterstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, in dessen Rahmen er im laufenden Semester einen Erasmus-Aufenthalt mit Kursen in Global Media Studies an der Universität Karlstad, Schweden, absolviert. Sein Forschungsinteresse liegt im Bereich der politischen Kommunikation und dem politischem Journalismus.

Kontakt: Andreas.Riedl-email@gmx.de