Stereotypenkontrolle durch Medienkompetenz? Ein Onlineexperiment zur impliziten Messung von Einstellungen gegenüber MuslimInnen unter Manipulation eines stereotypen Medienprimes

!MuslimInnen sind sehr gläubig, MuslimInnen islamisieren das Abendland und der Islam scheint seit 9/11 untrennbar mit Terrorismus verbunden zu sein! − Pauschalisierende und diskriminierende Aussagen die nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand getätigt werden, sondern in Deutschland auch zunehmend auf der Straße widerhallen. Erfahrungsgemäß auch dann, wenn Menschen bisher noch keinen persönlichen Kontakt zu MuslimInnen hatten. Denn diese stereotypen und kulturell geprägten Vorstellungen resultieren neben der persönlichen Sozialisation und (möglichen) persönlichen Erlebnissen, auch auf simulierten Erfahrungen, die über Medieninhalte vermittelt werden.
Die vorliegende Studie widmete sich deshalb auf Grundlage kommunikationswissenschaftlicher und sozialpsychologischer Theoriebefunde der Frage: Welchen Einfluss hat die Rezeption stereotypisierender Medieninhalte über MuslimInnen auf die Vorurteilsbildung gegenüber MuslimInnen?
Auf Basis der Affect Misattribution Procedure wurde der Einfluss über eine 2x2x2-faktorielle Versuchsanordnung in einer Onlinebefragung (n=238) erhoben. Durch die Präsentation eines negativ konnotierten Medienprimes über MuslimInnen sollte zunächst die Aktivierung des Stereotyps erfolgen, um im Anschluss daran die Anwendung des Stereotyps über stereotypgetreue Fotos von MuslimInnen auszulösen. Darüber hinaus wurde ermittelt, ob das Stereotyp durch einen Hinweis zum kritischen Umgang mit Medieninhalten kontrolliert und damit temporär unterdrückt werden kann. Neben der impliziten Vorurteilsmessung wurden zudem weitere intervenierende Variablen wie Kontakterfahrung, soziales und politisches Engagement, explizite Einstellungen zu MuslimInnen sowie die Mediennutzung erfasst.
Die Ergebnisse zeigten keine Unterschiede zwischen den Experimentalgruppen. Allerdings konnten bei gezielten Gruppenvergleichen und unter Berücksichtigung der intervenierenden Variable ‚Kontakt‘ signifikante Effekte beobachtet werden.


Antje Odermann, M.A.

Porträts der Mitarbeiter vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden, fotografiert am 28. Juni 2016. Foto: André Wirsig für die TU Dresden

Ich bin seit Februar 2016 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) der Technischen Universität Dresden und beschäftige mich in meiner Forschungsarbeit mit stereotypisierenden Medieninhalten, Vorurteilen und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie Öffentlicher Meinung.
Mein Bachelorstudium der „Medienforschung/Medienpraxis“ und mein Masterstudium der „Angewandten Medienforschung“ habe ich am IfK absolviert und während meiner Studienzeit an diversen Forschungsprojekten in den Bereichen der Medien-/Meinungs- und Evaluationsforschung mitgewirkt.

E-Mail: antje.odermann@tu-dresden.de

Twitter: @Antje_Odermann