Wissenschaftskommunikation 2.0. Formen der Wissenschaftskommunikation und deren Relevanz fürs Wissenschaftsfeld 

Um zu evaluieren, inwiefern Wissenschaft zur Verfestigung und Tradierung von (Stereo-)typen und Denkmustern beiträgt, ist es wichtig, Wissenschaftskommunikation zu betrachten und ihre Funktionsweise zu verstehen. Denn WissenschaftlerInnen sind in ihrem feldspezifischen Habitus („Wahrnehmungs- Denk- und Handlungsschemata“) sozialisiert (Bourdieu, 1993: 99) und kulturellen, personellen sowie institutionellen Rahmenbedingungen unterworfen. All diese üben Macht auf das Individuum aus, da sie das Denken in bestimmten Kategorien vorgeben und sich auf die Wahl bevorzugter Kommunikationsformen oder -wege auswirken (vgl. Lüthje, 2014; Knorr-Cetina, 2002; Fleck, 1980).
1992 untersuchte Bourdieu die Hierarchien und Machtstrukturen der französischen, universitären Wissenschaft und identifizierte dabei relevante Kapitalien zur Akkumulation von wissenschaftlicher Macht. Diese Kapitalien fußen auf der Verwendung unterschiedlicher Kommunikationswege. Seitdem hat sich die Wissenschaft jedoch sowohl im Bereich der externen (z.B. Open Access Publishing), wie auch der internen (z.B. Vernetzungsmöglichkeiten auf sozialen Netzwerkseiten) Kommunikation weiterentwickelt (Al-Aufi & Fulton, 2014; Thelwall & Kousha, 2014a/b; Frandsen, 2009).
Mit Bourdieus Feldtheorie als theoretischer Grundlage und seiner Untersuchung der Hierarchien in der Wissenschaft als Ausgangspunkt soll daher eine Analyse aktueller Literatur zur Wissenschaftskommunikation vorgenommen werden. Anhand dieser werden die verschiedenen Kommunikationsformen der heutigen Wissenschaftskommunikation dargestellt und deren Relevanz zur Wissensverbreitung in der Scientific Community sowie den Subfeldern der Geistes- und Sozialwissenschaften bewertet. Anschließend wird auf die feldspezifischen Rahmenfaktoren eingegangen, die auf die Verwendung der Kommunikationswege Einfluss nehmen und so zur Verfestigung und Tradierung von (Stereo-)typen und Denkmustern beitragen.

 

Quellen
Al-Aufi, A., & Fulton, C. (2014). Use of social networking tools for informal scholarly communication in humanities and social sciences disciplines. Procedia – Social and Behavioral Sciences 147, 436-445.
Bourdieu, P. (1992). Homo academicus. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Bourdieu, P. (1993). Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Fleck, L. (1980). Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache: Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Frandsen, T. F. (2009). The effect of open access on un-plublished documents: A case study of economics working papers. Journal of Infometrics. doi: 10.1016/j.joi.2008.12.002
Knorr-Cetina, K. (2002). Die Fabrikation von Erkenntnis: Zur Anthropologie der Naturwissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Lüthje, C. (2014). Mediatisierte wissenschaftsinterne Kommunikation: Stand der Forschung und theoretische Rahmung. kommunikation@gesellschaft15(2014), Sonderausgabe, 20 pages. URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-378465, letzter Aufruf: 11.07.2016
Thelwall, M. & Kousha, K. (2014a). ResearchGate: Disseminating, communication, and measuring scholarship? Journal of the American Society for Information Science and Technology. doi:10.1002/asi.23236
Thelwall, M. & Kousha, K. (2014b). Acedemia.edu: Social network or academic network? Journal of the American Society for Information Science and Technology. doi: 10.1002/asi.23038


Franziska Thiele, MA

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Studienrichtung: Kommunikationswissenschaft

Forschungsinteressen: Wissenschaftskommunikation, Macht, Mediatisierung, Qualitative Methoden, Mediensoziologie, Interkulturelle Kommunikation

Franziska.Thiele@uni-rostock.de