Mariele Friesacher

Vegane holistische Weltbilder
Der vegane Lebensstil im Entstehungskontext zwischen Esoterik und konspirativer Weltanschauung

Mein Vortrag bewegt sich an der Schwelle zwischen Masterabschluss und konzeptionellen Überlegungen zu meiner Dissertation. Ich ging der Frage nach, wie vegan lebende Menschen in Österreich ihr politisches Selbstverständnis im Kontrast zur Wahrnehmung und Einordnung ihrer Identität im gesellschaftlichen Fremdbild beschreiben und welche Widersprüche sich innerhalb dieses Prozesses identifizieren lassen. Dazu wurden quantitative und qualitative Methoden kombiniert. Ich konnte einen guten Eindruck gewinnen wie das Feld beschaffen ist, aber weniger wie die holistischen Ansätze des Veganismus mit dem dringenden Wunsch nach gesellschaftlichen Veränderungen zusammenhängen. Für meine Masterarbeit wurden insgesamt sieben Personen mittels Interviewleitfaden befragt, drei Personen nahmen an einer Gruppendiskussion teil, eine teilnehmende Beobachtung bei einer politisch-tierethischen Veranstaltung wurde durchgeführt, sowie 204 Personen beantworteten einen Online-Kurzfragebogen zum Thema Veganismus und politische Identität. Folgende Schlussfolgerungen gehen nach der Auswertung meiner Forschungen über die ursprüngliche Frage hinaus: Die befragte Gruppe erkennt politische Aspekte im Veganismus, das Zugehörigkeitsgefühl zur veganen Community ist fluide, der Identitätsbildungsprozess verläuft in Auseinandersetzung mit der imaginären Community, die Produktion veganer Stereotype ist ein umstrittenes Feld im Veganismus, Holistische Aspekte sind in der veganen Community verankert, Konsum und Systemkritik spielen eine zentrale Rolle in der politischen Identität und intersektionales Denken im Rahmen eines veganen Lebensstils bleibt eine Herausforderung. Die vorliegenden Ergebnisse sollen weitere Forschungen in den Verknüpfungen zwischen Veganismus, holistische Weltbilder und Systemkritik anregen. In meiner Dissertation soll zudem auf die Entstehung konspirativer Weltbilder auf Basis esoterischer Zugänge zum eigenen veganen Lebensstil geachtet werden.

Mariele Friesacher BA BA MA

mariele.friesacher@gmx.at

Studienrichtungen:
MA Politikwissenschaft (abgeschlossen August 2018), Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Thematische Schwerpunkte: Soziale Bewegungen, Politische Theorie, Osteuropaforschung, Politische Kulturforschung

BA Philosophie (laufend), Institut für Philosophie, Universität Wien
Thematische Schwerpunkte: Ethik, feministische Philosophie

BA Kultur- und Sozialanthropologie (abgeschlossen Mai 2014), Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien
Thematische Schwerpunkte der Abschlussarbeiten: Lifestyle, Konsumanthropologie

BA Politikwissenschaft (abgeschlossen April 2016), Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien
Thematische Schwerpunkte: Soziale Bewegungen, Osteuropa, Demokratietheorie, Inklusion behinderter Menschen

Vorträge
• Summer Festival „Be the change“: Why there will be no revolution without men in pretty dresses
• Dezember 2015: Weiblich denken? – Eine philosophische Kritik an den populärwissenschaftlichen Erkenntnissen der Neurowissenschaften in der Geschlechterfrage, SWIP Tagung, JKU Linz

• November 2016: Im Zeitalter der kapitalistischen Aufklärung – Kants Ideen und ein neuer Aufbruch, SWIP Tagung, JKU Linz

Publikationen
Weiblich denken? – Eine philosophische Kritik an den populärwissenschaftlichen Erkenntnissen der Neurowissenschaften in der Geschlechterfrage. In: SWIP Sammelband: Lernen, Mensch zu sein. Beiträge des 2. Symposiums der SWIP Austria, Linz, JKU. (2017) LIT: Münster.

Mitgliedschaften
SWIP Austria (Society for Women in Philosophy)